#MehrMusikInDerSchule: Forderungspapier des Deutschen Musikrats zum Musikunterricht in der Grundschule zeigt Wege aus der Krise auf

  |  Bundesverband   Publikation 

Die aktuelle Studie des Deutschen Musikrats, der Konferenz der Landesmusikräte und der Bertelsmann Stiftung zur Situation des Musikunterrichts an den deutschen Grundschulen „Musikunterricht in der Grundschule – Aktuelle Situation und Perspektive“ offenbart erstmals auf der Basis gesicherter Zahlen das ganze Ausmaß der defizitären Situation des Musikunterrichts und den gravierenden Lehrkräftemangel im Fach Musik an unseren Grundschulen: Nur 43% des vorgesehenen Musikunterrichts wird von Fachlehrer*innen, 50% dagegen fachfremd unterrichtet, 7% fällt komplett aus – und dies vor dem Hintergrund, dass schon die hier als Basis zugrunde gelegten Vorgaben deutlich weniger als ein durchgehender zweistündiger Musikunterricht sind. Bereits heute fehlen an den Grundschulen ca. 23.000 ausgebildete Musiklehrer*innen. Neben einer Beschreibung des IST-Zustandes prognostiziert die Studie aufgrund der berechenbaren Pensionierungen von Musik-Lehrkräften auf der einen und den voraussehbaren Absolventenzahlen von Lehramtsstudiengängen Musik auf der anderen Seite eine weitere deutliche Verschlechterung der Rahmenbedingungen für musikalische Bildung an Grundschulen.

 

Nachdem die Studie bereits nach ihrer Veröffentlichung im März 2020 ein großes Medienecho ausgelöst hatte, liegt ihre größte Wirkungsmächtigkeit aktuell in der Auslösung einer intensiven Zusammenarbeit und konzertierter Aktionen vieler Verbände, Gremien, Bildungspolitiker und anderer Protagonisten musikalischer Bildung. (Einen ersten Eindruck dieser zukunftsweisenden Aktivitäten, in die sich auch der BMU eingebracht hat, bietet das Deutsche Musikinformationszentrum unter https://themen.miz.org/fokus-musikunterricht – hier finden sich u.a. auch das BMU-Positionspapier zur musikalischen Bildung an der Grundschule und ein Interview mit BMU-Präsident Michael Pabst-Krueger.)

 

Als konkretes Ergebnis der verbands- und gremienübergreifenden Zusammenarbeit zur Überwindung der Misere musikalischer Bildung an Grundschulen ist unter Federführung des Bundesfachausschusses Bildung des Deutschen Musikrats, in dem auch der BMU vertreten ist, das Forderungspapier #MehrMusikInDerSchule erarbeitet worden. Hier werden Wege aus dieser Krise aufgezeigt und hierbei ebenso eindeutige wie in ihrer Dimension für den Musikunterricht bisher einmalige Perspektiven aufgezeigt, bspw. eine verpflichtende Implementierung des Musikunterrichts in die Lehr- und Rahmenpläne aller Schularten und Jahrgangsstufen, die Verbesserung der Bedingungen für musikalische Leistungskurse an Gymnasien um Interesse und Grundlagen für musikpädagogische Berufsfelder zu generieren, die Verbesserung der Lehrkräftebildung in Studium, Fort- und Weiterbildung sowie qualitätsgesicherte Qualifizierungen für Quer- und Seiteneinsteiger*innen. Dieses länderübergreifende Papier wurde im Rahmen einer Fachtagung mit mehr als einhundert Teilnehmer*innen am 9. Oktober diskutiert und verabschiedet.

 

Aktuell wird das Papier auf Länderebene als Grundlage für landesspezifische Forderungspapiere genutzt, in die jeweils auch die landesspezifischen Ergebnisse der Studie „Monitoring musikalische Bildung“ eingehen – hier sind die BMU-Landesvorstände eingebunden und gestalten diese Statements auf einer jeweils breiten Basis von Akteuren für musikalische Bildung an Schulen mit. Die jeweiligen Landes-Forderungspapiere werden nach ihrer Verabschiedung auch auf den Länderseiten des BMU verfügbar sein. Eine Übersicht der bereits erstellten Landespapiere finden Sie hier.

 

Diese sowohl in ihrer Breite als auch bezüglich ihrer Ergebnisse bisher einmalige Zusammenarbeit gibt zu der Hoffnung Anlass, dass den bildungspolitischen Sonntagsreden zur gesellschaftlichen Bedeutung musikalischer Bildung nun die zu deren Umsetzung geeigneten Maßnahmen beschlossen, ergriffen und finanziert werden. Der BMU dankt allen Beteiligten für diesen Einsatz, ganz besonders der Konferenz der Landesmusikräte, dem Deutschen Musikrat und der Bertelsmann Stiftung als den zentralen und koordinierenden Akteuren bei der Erstellung der Studie und des Forderungspapiers.